Nora I Kolumbien I Aug 2013

Nora studiert Soziale Arbeit und nutzte ihre Semesterferien für einen Freiwilligeneinsatz im Mittagstischprojekt Cangrejera. Erfahre mehr darüber...

Was habe ich gemacht?

Vorbereitung

Im August 2013 reiste ich mit viel Vorfreude, Neugier und sehr grossem Willen ein neues Land kennenzulernen nach Kolumbien, um einen Freiwilligeneisatz für den Roten Tropfen zu leisten.  Begleitet wurde ich während meines ganzen Einsatzes von Caroline Stückelberger der Präsidentin des Vereins. Als sehr angenehm empfand ich die Zusammenarbeit mit dem Roten Tropfen schon im Vorfeld der Reise. So organisierte mir der Verein im Voraus eine Gastfamilie und half mir bei jeglichen Fragen  und Reisevorbereitungen.

Reise / Ankunft in der Gastfamilie

Am Samstag den 3. August ging die grosse Reise dann los. Gemeinsam mit Caroline Stückelberger verabschiedeten wir uns von unseren Liebsten. Eine lange Reise stand uns bevor. Nach zwei Stopps und drei Flügen kamen wir abends um halb acht in Barranquilla an. Abgeholt wurden wir vom Freund von Caroline Stückelberger Galo Mantilla, welcher uns  direkt ins neue Zuhause chauffierte.  Unsere Gastfamilie empfing uns extrem herzlich und ich fühlte mich sogleich sehr wohl. Netterweise überliess mir Louis Mantilla, einer der Söhne der Familie Mantilla, sein Zimmer. Dies empfand ich als grossen Luxus, da ich einen Rückzugsort für mich alleine hatte und dazu kam, dass das Zimmer für kolumbianische Verhältnisse sehr gut ausgestattet war, mit einem grossen Bett, Ventilator, Bürotisch und am wichtigsten war die Klimaanlage. Zum ersten „Znachtesse“ gab es eine leckere selbstgemachte Pizza. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gingen wir zusammen mit Galo spazieren. Er zeigte uns die Gegend rund um unser Gasthaus und ich konnte mir erste Eindrücke der Menschen und der Umgebung machen. Am Nachmittag besuchten wir gemeinsam mit der Familie Mantilla den naheliegenden Strand.

Meine erste Woche

An unserem ersten Arbeitstag besuchten wir die Stiftung Espiritu de Amor, welche schon seit längerem vom Roten Tropfen unterstützt wird. Die Stiftung besteht aus einem Mittagshort, welcher bis zu 120 Kindern am Tag eine warme Mahlzeit sowie ein „Znüni“ ermöglicht. Dieser wird ganz alleine von 6-8 Volontären und einer Köchin geleitet und strukturiert. Die Kinder wurden eines nach dem anderen in den ersten Raum gelassen, wo sie auf kleinen Plastikstühlen von uns und den Volontären ihren „Znüni“ (Guetzli und Milch) bekamen.  Ein Gast aus der Schweiz brachte den Kindern Malkästen mit und so wurden nach der Stärkung fleissig  gezeichnet. Um 11:oo Uhr gab es dann das Mittagessen für die ersten Kinder. Die Freiwilligen liessen die Kinder in Etappen essen, damit auch jeder satt wurde. Die zweite Kinderschar kam dann direkt von der Schule um 13:oo. Wir halfen wo wir konnten, sei es bei der Vorbereitung der Tische, den Essenverteilungen, beim Aufräumen etc. Danach führten wir Gespräche mit den Volontären sowie mit der Köchin Mary um mehr über die derzeitige Lage des Mittagshortes und ihre Zufriedenheit mit der Freiwilligenarbeit zu erfahren. Danach dachten wir uns verschiedenste Aktivitäten für die nächsten 4 Tage aus.

Tagesablauf der ersten Woche:

6:30 Aufstehen, duschen,  frühstücken

7:15 Mit Gladys Mantilla ins Office fahren, Mails checken, Aktivitäten für die Kinder vorbereiten, Tag planen

09:00 Fahrt mit er Präsidentin der Stiftung in den Mittagshort

09:30 Aktivität mit den Kindern (Postenlauf, Film schauen, Freundschaftsbänder knüpfen etc.)

10:45 Mittagstische vorbereiten

11:00 Erste Kindergruppe kommt von der Schule zum Mittagessen (Essensverteilung, Hilfe den kleinsten beim Essen, Tische putzen, Abwaschen)

12:00 Rückfahrt zum Office von Gladys

12:30 Mittagessen mit Gladys und der Präsidentin der Stiftung

13:30 Administrative Arbeiten erledigen, Spanisch lernen, Mails beantworten, Treffen organisierten, Sitzungen abhalten

17:00 Heimfahrt

Abends wurden dann je nach Lust und Laune spassige Aktivitäten (Tanzen gehen, Kino, Auswärtsessen gehen etc.) unternommen oder wir assen mit der ganzen Familie zu Abend und sahen uns danach einen Film an.

Meine zweite Woche in Cartagena

In der darauffolgenden Woche reisten wir mit einem Bus ca. 3Stunden nach Cartagena. Dort besuchten wir die ehemalige Gastfamilie von Caroline. Danach ging es direkt zu unserer Gastfamilie, welche ein Haus besass welches in einem guten und zentralen Stadtteil von Cartagena lag. Die Gastfreundschaft ist den Kolumbianern sehr wichtig, deshalb bekommt man überall wo man hinkommt, viel zu essen und Hilfe in allen Belangen.  In Cartagena bestand unsere Arbeit grösstenteils aus Sitzungen mit Sozialarbeitern und freiwilligen Helfern sowie aus Besuchen verschiedenster Institutionen und Projekten. So besuchten wir zum Beispiel die Institution Renacer, welche minderjährige, sexuell ausgebeutete Jugendliche aufnimmt und ihnen ein Zuhause gibt. Gleichzeitig können die Jugendlichen intern in eine Schule und erhalten psychische und soziale Betreuung durch Psychologen, Sozialarbeiter und Psychiater. Neben täglichen Besuchen von Institutionen,  sprachen wir mit einer Gruppe von freiwilligen Helfern der Stiftung Manos de Dios. Auch ein Mittagstisch der mitten in einem Armenviertel in Cartagena liegt. Im Austausch mit den Mitarbeitern der Stiftung erfuhren wir,  wie ihre tägliche Arbeit aussieht und wo wir sie unterstützen könnten.

Natürlich durfte in einer solch schönen Hafenstadt ein Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt von Cartagena nicht fehlen.

Nach einer extrem spannenden und eindrücklichen Woche in Cartagena ging es zurück nach Barranquilla, wo ich die letzten zwei Tage wieder in der Stiftung Espiritu de Amor verbringen durfte

Welche Emotionen hat der Einsatz in mir ausgelöst?

Als ich nach zwei Wochen Kolumbien in der Schweiz ankam, fiel ich in ein tiefes Loch. Es schien mir plötzlich alles so unwichtig was ich tat und ich vermisste alles an Kolumbien. Waren das die Menschen mit ihrer herzlichen und offenen Art, die Musik welche jeden Tag von morgens bis abends lief oder auch das warme Wetter, einfach alles. Erst nach zwei Wochen konnte ich mich wieder auf meinen Alltag und das Leben in der Schweiz einlassen.

Ich würde diesen Einsatz in jedem Fall wieder machen und ich werde auch wieder nach Südamerika/Kolumbien reisen. Von Anfang an fühlte ich mich den Menschen dort sehr nahe und die Mentalität der Kolumbianer entspricht mir sehr. Am Eindrücklichsten aber waren für mich die Kinder und Jugendlich denen ich in den Stiftungen und Institutionen begegnete. Sie nahmen mich auf wie in ein Familienmitglied obwohl ich kaum Spanisch sprach. Die Kinder strahlten trotz ihrer oftmals sehr schweren Lage immer Lebensfreude aus. Sie berührten mich zutiefst und einige Momente oder Gesichter werde ich nie wieder vergessen. Ich würde niemals sagen ich ging nach Kolumbien um den Kindern und Jugendlichen dort zu helfen oder um mich zu revanchieren weil ich es so gut habe in der Schweiz, denn ich habe viel mehr zurück bekommen und ich denke sie haben mir auf ihre Weise geholfen die Augen zu öffnen für Dinge, die mir bis dahin nicht bewusst waren. Sie haben mir aufgezeigt wie glücklich man trotz aller Wiederstände oder Schwierigkeiten leben kann und dass wir alle in der  Pflicht sind einander zu helfen so gut wir können. Ich durfte in diesen zwei Wochen sehr viele schöne Begegnungen mit wundervollen Menschen erleben und lernte Kolumbien als ein Land kennen, welches mich auf verschiedenste Arten und mit verschiedensten Facetten bereichert hat.

Wo sehe ich Entwicklungschancen im Projekt? Im Planen des Einsatzes?

In der Zeit vor der Reise, musste ich mich oftmals selbst darum kümmern, Fragen zu stellen um mehr über meinen Tagesablauf in Kolumbien zu erfahren. Ich hätte mir gewünscht, besser zu wissen was auf mich zu kommen wird.

Während des Aufenthalts wurde ich extrem gut von Caroline begleitet und ich hatte immer das Gefühl mit meinen Problemen oder Schwierigkeiten zu ihr gehen zu können, was ich als sehr luxuriös empfand, da man in sonstigen Projekten auf sich alleine gestellt ist.

Meine Empfehlung

Mein Rat an zukünftige Freiwillige ist, auf jeden Fall Spanisch zu lernen. Sei dies alleine mit Hilfe eines Sprachkursbuches oder vor Ort in einer Sprachschule. Die Sprache ist der Zugang zu einer Kultur und nur mit ihr ist es möglich auch etwas beitragen zu können in den verschiedenen Projekten.

Zum Schluss möchte ich mich von ganzem Herzen beim Verein Roter Tropfen für diese einmalige und unvergessliche Reise/Erfahrung bedanken.