Anja I Bolivien I Jan - März 2014

Anja absolvierte vor ihrem Studium als Pflegefachfrau ein Freiwilligeneinsatz im onkologischen Institut und führte ein Hygiene-Projekt mit den Eltern der krebskranken Kinder durch. Erfahre mehr darüber...

Meine Zeit im Oncológico und im Centro Parálisis Cerebral

Nach einer kurzen Eingewöhnungzeit habe ich mich schon recht schnell wohl gefühlt in Santa Cruz. Ich wurde von Verónica Medina und ihrer Familie erwartet. Sie haben mich herzlich aufgenommen und Verónica hat mich auch zu den Orten meiner Freiwilligenarbeit begleitet. In den 2 Monaten in denen ich in Santa Cruz war, habe ich abwechslungsweise im oncológico auf der pädiatrischen Abteilung und im centro parálisis cerebral mitgeholfen. So begannen meine Tage immer schon früh und ich fuhr mit den Mircos zum centro parálisis cerebral. Dies ist eine Schule für Kinder mit Zerebralparese und Autismus. Ich wurde am Morgen der Kindergartenklasse zugeteilt. In dieser Klasse sind 12 Kinder. Neben mir gehörten auch noch eine Lehrerin und eine Klassenhilfe zur Klasse. Zu Beginn des Morgens gab es für alle Kinder zuerst Frühstück. Das war gar nicht so einfach, wenn fast die Hälfte der Kinder Hilfe beim Essen und Trinken braucht. Ausserdem hat es etwa drei Kinder in der Klasse, die sehr stark beeinträchtigt sind und somit ständig auf Hilfe angewiesen sind. So ist man immer auf Trapp. Nach einem kurzen Morgenkreis, bei dem viel gesungen wird, beginnen wir dann zu malen und basteln. Die meisten Kinder in unserer Klasse sind auf einen Rollstuhl angewiesen und so machen wir uns in einer Rollstuhlkolone auf zum kleinen Pausenplatz. Für die Kinder gibt es einen Saft oder ein Joghurt. Nach der Znüni- und der Wickelpause geht es zurück zum Schulzimmer. Jetzt ist noch Zeit für Spiele. Während den Schulzeiten werden auch immer wieder Kinder von den verschiedenen Therapeuten und Psychologen abgeholt. Es ist also oftmals sehr chaotisch. Nach dem Mittagessen werden die Kinder von ihren Eltern abgeholt und nach dem Aufräumen ist dann auch für uns Zeit fürs Mittagessen. Die Leute im centro parálisis cerebral haben mich von Anfang an sehr herzlich empfangen und ich habe mich trotz der grossen Unterschiede zur CPS in der Schweiz schnell wohl gefühlt.
Fürs Mittagessen ging ich oftmals nach Hause und habe mich kurz ausgeruht oder Verónica bei verschiedenen Sachen für den „roten Tropfen“ geholfen. So haben die Mütter für das Projekt „Chalinas“ viele Schäle und Mützen gestrickt. Diese haben wir notiert, gewogen, angeschrieben und kontrolliert. Am Nachmittag habe ich dann in der escuelita des oncológicos  mitgeholfen. So habe ich mit der Lehrerin Rachel und anderen Freiwilligen zum Beispiel Einladungen für den día internacional de la lucha contra el cancer infantil vorbereitet. Mit diesen Einladungen, Malsachen, Büchern und Spielen gingen wir dann auf die pädiatrische Abteilung des Spitals. In dieser Zeit haben wir viele Tiere und Fähnchen gebastelt, haben gemalt, Bücher angeschaut und oft UNO und Memory gespielt. Wenn ich am Morgen im oncológico war, habe ich ausserdem ein kleines Projekt zur Hygiene gemacht. Oftmals fehlt im Spital die Hygiene und es wird zum Beispiel das Hände desinfizieren vergessen. Ich habe ein Papier zusammen gestellt und dieses den Eltern erklärt. Ausserdem habe ich in den isolierten Zimmern zusätzliche Schürzen aufgehängt. Ich kannte einige Kinder mit Infektionen oder einer schlimmeren Leukämieform schon lange Zeit. Doch weder die Psychologin, noch die Lehrerin oder wir Freiwilligen konnten eintreten. Mit diesen Schürzen und weiteren Vorkehrungen konnten wir nun endlich auch diese Zimmer betreten. Ich habe in der Zeit, in der ich im oncológico war, viele Patienten und ihre Eltern kennen gelernt. Es hat auf der Station Patienten vom 1-monatealten Baby bis zum 14-jährigen Jugendlichen. Alles sind Kämpfer und sollten auch mal ihre Krankheit vergessen dürfen. Dies haben wir in unserer Zeit auf der Station versucht. Ausserdem brauchen auch die Eltern mal Zeit für sich oder Zeit um Medikamente und Transfusionen kaufen zu gehen. Oftmals wechselte die Stimmung im Saal schnell. So ging es den Kindern während der Chemotherapie meistens schlechter und diese gedrückte Stimmung merkte man in der ganzen Abteilung. Ich habe auch einige Male erlebt, wie Kinder gestorben sind. Die Eltern erhalten keine psychologische Hilfe, sondern gehen einfach zurück in ihren Heimatsort. Neben diesen traurigen und schlimmen Momenten gab es jedoch auch viele schöne Momente. Für diese Momente, in denen sich die Kinder und Eltern gefreut und gelacht haben und einen kurzen Moment die Krankheit vergessen konnte, habe ich diese Arbeit gemacht. Ich habe die Kinder so  in mein Herz geschlossen, dass es nicht einfach war zurück in die Schweiz zu gehen. Und in Gedanken bin ich immer noch oft in Santa Cruz im oncológico und dem centro parálisis cerebral.

Probleme/Hindernisse

Zu Beginn meiner Zeit in Bolivien waren meine Spanischkenntnisse noch nicht viel höher als Grundkenntnisse. Deshalb war es oft nicht allzu einfach mit Rachel oder den Leuten im CPC zu kommunizieren. Ich denke, dass bei kurzen Aufenthalten mindestens Grundkenntnisse in Spanisch nötig sind. Wenn jemand für längere Zeit einen Freiwilligeneinsatz macht, genügen zu Beginn auch wenige Spanischkenntnisse.

Zu Beginn waren die Leute im oncológico mir gegenüber sehr verschlossen. Mit der Zeit habe ich mich jedoch eingelebt und kannte auch einige Mitarbeiterinnen des Spitals.
Oftmals sind die Leute weniger pünktlich und beginnen erst spät und langsam mit Vorbereitungen. So begannen die Leute in der CPC mit den Vorbereitungen, wenn die Kinder in der Schule waren und im oncológico verbrachten wir oftmals viel Zeit in der escuelita und gingen erst spät auf die Abteilung.

Ideen/ Verbesserungsvorschläge

  • Projektvorschläge für zukünftige Freiwillige, z. B. Hygieneprojekt weiterführen
  • eventuell Kontakt mit Rachel vor Aufenthalt
  • stetige Kommunikation zwischen Freiwilligen und Leuten von „Roter Tropfen“